Geschichte

1972

Das erste Frauenhaus wird in London gegründet.

1978

Obwohl in Österreich viele Menschen der Meinung sind, dass es das Problem Gewalt gegen Frauen in der Familie nicht gibt, gelingt es einer Gruppe von Studentinnen der Sozialakademie doch mit Hilfe engagierter Politikerinnen ein Projekt zu starten, dass misshandelten Frauen und deren Kindern Schutz und Hilfe vor Gewalt bietet.
Das erste Frauenhaus in Wien und damit das erste Haus in Österreich wird eröffnet. Schon vor der eigentlichen Eröffnung finden hier Frauen und Kinder, die dringend Schutz und Hilfe brauchen, Unterkunft.

1980

In Kürze ist das Haus voll und es ist notwendig ein zweites Frauenhaus zu errichten. Doch auch das zweite Haus ist schon nach kurzer Zeit überfüllt.

1992

Zu der Arbeit mit den Frauen und den Kindern im Haus kommen viele ambulante Beratungen und ausführliche, zeitintensive Beratungen am Telefon. Immer wieder suchen Frauen, die zwar von Männergewalt betroffen sind, aber nicht unmittelbar den Schutz eines Frauenhauses brauchen, Rat und Unterstützung in den Häusern.
Um auch diesen Frauen adäquate Hilfe bieten zu können und die Bewohnerinnen und Mitarbeiterinnen der Häuser zu entlasten, wird in Wien die erste ambulante Beratungsstelle gegründet. Die Beratungsstelle unterstützt Frauen in Gewalt-, Trennungs- oder in interfamiliären Problemsituationen.

1996

Trotzdem sind die beiden Frauenhäuser auch weiterhin überfüllt. Das dritte Haus wird eröffnet.

Weiters werden vom Verein Übergangswohnungen angemietet, die vorübergehend an Frauen vergeben werden, die nicht mehr akut von Gewalt betroffen sind, aber keine andere Wohnmöglichkeit haben. Damit ist nicht nur diesen Frauen geholfen, sondern es werden auch wiederum rascher Plätze in den Frauenhäusern frei.

Die Frauen werden in dieser Wohnform zwar weiter betreut und unterstützt, aber natürlich nicht mehr so intensiv wie im Frauenhaus, und finden so Zeit ihre Lebenssituation zu klären. Die Übergangswohnungen stellen vor allem auch für viele Migrantinnen eine große Unterstützung dar.

Auch wird immer deutlicher, wie wichtig die Arbeit mit den Kindern ist. Alle im Frauenhaus lebenden Kinder sind Opfer von Gewalt. Sie werden entweder selbst misshandelt, oder sie werden ZeugInnen der Misshandlungen an der Mutter. Sie sind aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen und müssen mit ihren traumatischen Erlebnissen zu recht kommen. Um den Kindern mehr Unterstützung zukommen zulassen, wird ein eigener Kinderbereich konzipiert und Kinderbezugsfrauen, die einschlägig ausgebildet sind, werden für die Arbeit mit den Kindern angestellt.

Gleichzeitig beginnen die Mitarbeiterinnen sich auch verstärkt um die Schulung von Personen und Berufsgruppen zu kümmern, die mit dem Thema Gewalt gegen Frauen konfrontiert sind (vor allem ist hier die Arbeit mit den Sicherheitswachebeamten zu erwähnen). Präventionsarbeit zu diesem Thema - zum Beispiel im Schulbereich - nimmt einen weiteren wichtigen Arbeitsschwerpunkt ein. All die Jahre hindurch wird durch verschiedene Formen von Öffentlichkeitsarbeit auf die unterschiedlichen Probleme, denen misshandelte Frauen gegenüberstehen, aufmerksam gemacht.

1999

Im Sommer wird vom Verein als Ergänzung zu den Übergangswohnungen ein Nachbetreuungswohnhaus angemietet.

Auf Grund vermehrter Nachfrage wird schließlich unsere Beratungsstelle zu klein und es wird im Dezember in neue, absolut zentral gelegene Räumlichkeiten übersiedelt. Durch die größeren Räume kann die Arbeits- und Betreuungsqualität optimiert werden. Misshandelte Frauen finden nun ein Ambiente vor, in dem sie in einer freundlichen Atmosphäre ungestört beraten werden können.

2000

Auch nach der Eröffnung des dritten Frauenhauses sind die Häuser ständig überfüllt und der Bedarf für ein viertes Frauenhaus in Wien ist gegeben.

Laut einer Empfehlung des Ausschusses des Europäischen Parlaments für die Rechte der Frau aus dem Jahre 1987 soll pro 10.000 Einwohnerinnen und Einwohner ein Platz für eine misshandelte Frau in einem Frauenhaus zur Verfügung stehen. Auch die praktische Erfahrung zeigt, dass immer wieder Frauen nicht sofort aufgenommen werden können.

Die Mitarbeiterinnen der Wiener Frauenhäuser arbeiten im Spannungsfeld einerseits jeder misshandelten Frau einen Platz in einem Frauenhaus, andererseits den in den Häusern lebenden Frauen einen entsprechenden Lebensstandard bieten zu wollen. Die Belagszahlen in den Häuser werden aus diesem Grund limitiert. Der Aufenthalt in einem Frauenhaus darf bei Frauen nicht zu dem Gefühl führen, in völlige Armut zu stürzen, sonst wird die Versuchung zum Misshandler zurückzukehren größer.
Es ist für Frauen, die in einer so schwierigen Lebenssituation sind, schwierig das Zimmer mit anderen Frauen und deren Kindern zu teilen. Wieder einmal ist die Platznot Thema.

2001

Von der Gemeinde Wien werden dem Verein schließlich zwei Objekte zur Verfügung gestellt, die hervorragend als Frauenhäuser geeignet sind. Ein alter Gemeindebau wird generalsaniert, das andere Haus ist ein Neubau.

2002

Im Frühjahr 2002 eröffnet das vierte Frauenhaus. Im Herbst des gleichen Jahres übersiedelt das erste Frauenhaus in ein wesentlich größeres und passenderes Objekt. Das besonders Erfreuliche ist, dass wir bei den Bauvorhaben eingebunden sind und so zwei Häuser errichtet werden, die den Bedürfnissen der Betroffenen wirklich gerecht werden. Die Häuser sind so gelegen, dass im Endeffekt die vier Frauenhäuser in Wien jeweils ein anderes Einzugsgebiet abdecken.

In den neuen Häusern wird je 20 bis 23 Frauen und deren Kindern ein Platz geboten. Den Frauen stehen eigene, kleine Wohnbereiche zur Verfügung, es gibt viel Platz für die Kinder und es stehen ausreichend Gemeinschafts-, aber auch Büroräume zur Verfügung.